Spanngurte & Ladungssicherung am Anhänger – der große Ratgeber

Spanngurte & Ladungssicherung am Anhänger – der große Ratgeber

Ladungssicherung ist Pflicht – nicht optional

Wer mit einem beladenen Anhänger unterwegs ist, muss seine Ladung sichern. Das ist nicht nur vernünftig, sondern gesetzliche Pflicht nach § 22 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Ladung muss so verstaut und gesichert sein, dass sie bei einer Vollbremsung oder einem Ausweichmanöver nicht verrutschen, umfallen oder herabfallen kann.

Die Folgen bei Verstößen sind ernst: Bußgelder bis 60 €, bei Gefährdung bis 75 € plus 1 Punkt in Flensburg. Bei einem Unfall durch mangelhafte Ladungssicherung drohen Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Welche Kräfte wirken auf die Ladung?

Beim Transport wirken enorme Kräfte auf deine Ladung – mehr als die meisten denken:

Nach vorne (Bremsen): Die Ladung muss 80 % ihres Eigengewichts als Kraft nach vorne aushalten. Bei 500 kg Ladung sind das 400 kg Kraft, die nach vorne drücken.

Zur Seite (Kurvenfahrt): 50 % des Eigengewichts wirken seitlich – bei 500 kg also 250 kg.

Nach hinten (Anfahren): 50 % des Eigengewichts drücken nach hinten.

Das bedeutet: Selbst eine vermeintlich leichte Ladung von 100 kg entwickelt bei einer Vollbremsung eine Kraft von 80 kg nach vorne. Ohne Sicherung rutscht sie unkontrolliert über die Ladefläche.

Die zwei Grundprinzipien der Ladungssicherung

Formschlüssige Sicherung

Die Ladung wird lückenlos an feste Begrenzungen geladen – Bordwände, Stirnwand oder andere Ladungsteile. Wenn kein Spalt bleibt, kann nichts verrutschen. Das ist die einfachste und oft beste Methode.

Praxistipp: Schwere Ladung immer direkt an die Stirnwand laden (vorne im Anhänger). So fängt die Bordwand die Bremskräfte auf.

Kraftschlüssige Sicherung (Niederzurren)

Die Ladung wird mit Spanngurten auf die Ladefläche gepresst. Durch den Druck erhöht sich die Reibung zwischen Ladung und Boden so stark, dass sie nicht mehr verrutschen kann. Dafür brauchst du Spanngurte mit Ratsche und Zurrösen am Anhänger.

Wichtig: Zum Niederzurren brauchst du mindestens zwei Spanngurte – einen reicht nie aus. Bei schwerer oder hoher Ladung zusätzlich diagonale Gurte verwenden.

Spanngurte richtig verwenden

Ratsche bedienen

Anlegen: Ratschenhebel öffnen. Gurtband in den Schlitz der Wickeltrommel einfädeln. Gurt von Hand auf die gewünschte Länge durchziehen. Dann den Handgriff vor und zurück bewegen, bis die gewünschte Spannung erreicht ist.

Lösen: Sperrklinke an der Ratsche ziehen und gleichzeitig den Spanngriff komplett umklappen (180 Grad). Gurt herausziehen.

Häufige Fehler

Gurt verdreht: Ein verdrehter Spanngurt verliert bis zu 75 % seiner Haltekraft. Immer darauf achten, dass das Gurtband flach und gerade über die Ladung läuft.

Über scharfe Kanten: Scharfe Kanten an der Ladung (Metallteile, Holzbalken) können das Gurtband durchschneiden. Kantenschutzwinkel verwenden – die kosten nur ein paar Euro und retten im Zweifelsfall den Gurt und die Ladung.

Zu wenig Spannung: "Handfest" reicht nicht. Der Gurt muss mit der Ratsche so fest gespannt werden, dass er sich nicht mehr mit dem Finger verschieben lässt.

Nicht nachgespannt: Während der Fahrt können sich Gurte lockern – besonders bei der ersten Fahrt mit neuer Ladung. Nach den ersten Kilometern anhalten und Spannung prüfen.

Welche Spanngurte brauchst du?

Für leichte Ladung (Kartons, Gartenabfälle, Kleinmöbel): Spanngurte mit Klemmschloss oder Druckratsche, 25 mm breit, Zugkraft bis 250 kg. Günstig und für den Alltagsgebrauch völlig ausreichend.

Für mittlere Ladung (Baumaterial, Maschinen, Möbel): Zweiteilige Spanngurte mit Druckratsche und Haken, 35 mm breit, Zugkraft bis 2.000 kg. Der Standard für PKW-Anhänger.

Für schwere Ladung (Fahrzeuge, Baumaschinen): Spanngurte mit Langhebelratsche (Ergoratsche), 50 mm breit, Zugkraft bis 5.000 kg. Mehr Vorspannkraft bei weniger Kraftaufwand.

Wann Spanngurte austauschen?

Spanngurte haben kein festes Verfallsdatum, müssen aber sofort ausgetauscht werden wenn das Etikett fehlt oder unleserlich ist, Risse, Schnitte oder Löcher im Gurtband sichtbar sind, das Gurtband durch Hitze oder Chemikalien verfärbt oder verformt ist, die Ratsche korrodiert, klemmt oder nicht mehr einrastet oder Nähte beschädigt oder aufgegangen sind.

Faustregel: Vor jeder Nutzung eine kurze Sichtprüfung machen. Lieber einen Gurt zu früh austauschen als einen Unfall riskieren.

Zusätzliche Hilfsmittel

Antirutschmatten: Gummimatten unter der Ladung erhöhen die Reibung enorm – bis zu 60 % weniger Rutschgefahr. Einfach auf den Anhängerboden legen.

Anhängernetze: Ideal für loses Material wie Gartenabfälle, Grünschnitt oder Bauschutt. Das Netz wird über die Ladung gelegt und an den Anhängerösen eingehakt.

Kantenschutzwinkel: Schützen den Spanngurt vor scharfen Kanten und verteilen den Druck gleichmäßig. Bei jedem Zurren von Metallteilen oder Holz verwenden.

Zurrösen nachrüsten: Viele ältere Anhänger haben zu wenige Zurrösen. Nachrüsten ist einfach und günstig – mindestens 4 Stück in den Ecken der Ladefläche sind Pflicht.

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